Psychologische Charaktere für Rollenspiele schreiben

Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Hefts auf einem Tisch. Eine Tabelle und die Überschrift "Anleitung" sind lesbar. Im Hintergrund liegt eine Würfelschale mit zwei sechsseitigen Würfeln darin.

Es gibt ein neues Zine von mir!

Wie im letzten Jahr auch, nehme ich dieses Mal wieder am Zine-Wettbewerb von System Matters teil. Diesmal habe ich ein sehr kurzes Heft mit einer Methode für Spieler*innen eingereicht. Es geht darum, seine Charaktere psychologisch interessanter und konsistenter zu machen und diese simulierte Psychologie mit der Hintergrundgeschichte eines Charakters zu verknüpfen.

Aktuell höre ich immer wieder, dass Rollenspieler*innen sich ihre Hintergrundgeschichten von LLM-Chatbots generieren lassen. Das finde ich schade, denn diese Modelle spucken viel generisches Zeug aus, das ihre Betreiberfirmen von anderen Menschen geklaut haben. Außerdem kann die Entwicklung der eigenen Hintergrundgeschichte natürlich sehr viel Spaß machen und die eigene Kreativität trainieren. Ich glaube aber auch, dass man dieses Bedürfnis nach einer schnellen und einfachen Generierung der Backstory ernst nehmen kann, ohne auf Chatbots zurückgreifen zu müssen. Vielen Spieler*innen scheint eine Struktur für die eigene Backstory zu fehlen. Man findet sie selten als festen Teil der Charaktererstellung in Rollenspielbüchern oder in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Für mein unveröffentlichtes Solarpunk-Rollenspiel Sol habe ich deshalb eine Anleitung entwickelt, um Spieler*innen die Ausarbeitung ihrer Charaktere zu erleichtern. Diese Anleitung habe ich nun stark verallgemeinert, sodass sie auf die meisten Settings passen sollte.

Das Ganze ist stark inspiriert von Psychologie. Die sagt, dass wir Menschen Glaubenssätze haben, die unser Fühlen, Denken und Handeln stark mitbestimmen. Meist konzentriert sich die Psychologie eher auf die unschönen Glaubenssätze, weil die in Therapie-Settings mehr Arbeit brauchen, als die netteren. Typische Glaubenssätze sind beispielsweise „Ich darf keine Fehler machen“, „Ich darf Unrecht nicht dulden“ oder „Ich bin nichts wert“. Ich habe für dieses Zine 36 solcher Sätze in einer W66-Zufallstabelle zusammengetragen. Nun würfelst du drei dieser Sätze aus und denkst dir je ein Ereignis aus, das dazu geführt hat, dass dein Charakter genau diese innere Wahrheit glaubt. Auf diese Weise entsteht strukturiert eine freie Hintergrundgeschichte, die auch Einfluss darauf hat, wie sich dein Charakter im Spiel verhält.

Der Über-Ich-Generator ist ab jetzt als PDF zum Download verfügbar und wird im September im Rahmen des Fanzine-Wettbewerbs von System Matters für einen guten Zweck verkauft. Ich werde auch einige Exemplare zur MonsteriaCon in Münster mitbringen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert